Buchempfehlung – Valerie Steele, „Fashion and Eroticism“

22 Jul
Lektüren der Korsettdesignerin Beata Sievi

Lektüren der Korsettdesignerin Beata Sievi

Das traditionelle Bild der viktorianischen Frau präsentiert sie als „in unbequemes Korsett eingeschnürt und prüde, ihre Kleidung – ein äußeres Zeichen für ihre sexuelle Unterdrückung und Ausbeutung“. Angeblich war es erst die Frauenbewegung und der Erste Weltkrieg, die dazu beitrugen, Frauen als befreite Individuen mit zwei Beinen anzusehen. Doch Valerie Steele zeigt, dass es die Erotik war, die die Grundlage für das viktorianische Ideal der weiblichen Schönheit und Mode bildete. Und im Allgemeinen, dass die Konzepte von Schönheit und Mode im Wesentlichen erotischer Natur sind. Die berühmte Modeforscherin zeigt, dass viktorianische Frauen, weit davon entfernt waren passive “Sex-Objekte” zu sein. Genauso wie ihre modernen Pendants haben sie sich mit dem erotischen Ideal als einen Aspekt ihrer eigenen Selbstverwirklichung identifiziert. Auch das berüchtigte Korsett war weder fetischistisch noch eine ungesundes Folterinstrument, argumentiert sie, obwohl seine reichhaltige und ambivalente sexuelle Symbolik Kontroverse ausgelöst. „Fashion und Eroticism“ zeigt, wie sich der moderne New Look natürlich aus der Vorkriegs-Welt der Mode und nicht als Teil einer „antifashion“ oder Reform Bewegung entwickelte.

Steele Schlussfolgerungen basieren auf erstaunlichen Belegen, einschliesslich visuellen und materiellen Forschungen, in Kostüm-Sammlungen in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Europa und Japan. „Fashion und Eroticism“ ist nicht nur eine radikale Revision des konventionellen Verständnisses der viktorianischen Mode, es ist ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der Frauen und ihrer Sexualität.

Illustration aus dem Buch von valery Steele

Illustration aus dem Buch von Valerie Steele

“It seems far more likely that woman’s dress was intended to convey the impression of beauty. The fashion might have been at times uncomfortable or inconvinient, but it diverted attention from possible defiencies of nature, while drawing attention to attractive features, and ideally making the wearer look and feel pretty and charming. It hast been pointed out that “the mind may take pleasure in something which to the body is pain or at least an inconvenience. This is very different from saying that the mind takes pleasure in something because it is painfull.”

Valerie Steele, Fashion and Eroticism, New York, Oxford University Press 1985

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